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2010 Es gibt Dinge, die liebt man einfach. Man schaut Sie an und sie treffen voll ins Herz. Dieses Phänomen gibt es auch in der Kunst. Bei mir gibt es sowas. Geschehen beim ersten Kontakt mit den Edekafrauen von Kristiana Fiand, viele Jahre her.
Damals waren sie noch nicht so ausgefeilt, detailiert, eher archetypisch. Die Augen, wie zwei Knöpflein, die Gesichtsfläche recht glatt und undifferenziert, aber bereits so, dass man sie sofort liebgewann. Dazu diese tolle Geschichte:
Das Dorf im Knüll, indem die Künstlerin Kristina Fiand lebt, hatte, als sie mit der Bildhauerei begann noch einen blaugelben Edeka. Wie schön (...und inzwischen gar nicht mehr selbstverständlich). Er ist Austauschort dörflicher Kommunikation, Ziel der Kinder für ein sommerliches Eis, aber auch „erste Hilfe“ - Anlaufplatz, wenn das Backpulver für den Kuchen aus ist. Die örtliche Zeitung zudem, denn man erfährt, wer nächtens gestorben ist, entbunden hat. Auch von den Eheproblemen der Familie Meyer, weiß man zu berichten.
Die Frauen in ihren unterschiedlichen Outfits, Frisuren und Gesichtsausdrücken haben die Künstlerin Kristina Fiand zutiefst gereizt genauer hinzusehen. Kein Voyeurismus, vielmehr die Symbiose aus Lust am Unterschied und der Gemeinsamkeit ließ das Projekt 100 Edekafrauen entstehen. Geschnitzt mit klassischen Bildhauerwerkzeugen bearbeitet Kristina Fiand das Lindenholz, schließt natürliche „Hindernisse“, wie Äste und Risse mit ein und gibt jeder einzelnen Figur ein unverwechselbares Colorit. Jede ein Unikat, mit eigenem Charakter. Die Zahl hundert war schnell erreicht, aber der dörfliche Fundus, der an eine Theaterbühne erinnern mag, noch lange nicht erschöpft.
Und darin liegt wohl der große Erfolg der Damen, die nun die Marke der 500sten überschritten hat. In der Begrenzung auf einen Lindenblock, zwei Beine die diesem Sockel fußlos erwachsen, zelebriert Fiand nicht endlos einem Stereotyp, wandelt vielmehr mit grenzenloser Phantasie, mit glucksender Freude an Formen, Farben, Detailes und Accessoires an fünfzig Höhenzentimeter Holz ein Thema immer wieder mit größter bildhauerischer Lust so ab, dass es nie spröde, wie langweilig wird. Dabei glänzt sie mit großartigen Kenntnissen in Anatomie und Griffen in die Kunsthistorische Kiste mit Momenten wie "Stand-und Spielbein", ferner mit Zitaten in die reiche Welt der Werbung, des Produktplacemens, Symbolen, Pictogrammen oder oder der Vielfalt von Werbelogos. Das Salz in der künstlerischen Finessesuppe Fiands -und dafür liebe ich diese hölzernen Unlebewesen besonders- ist die Ausgereiftheit der Gesichter. Mimik schlägt Gestik, die zwar auch besticht, bei weitem und es ist die blanke Freude so einer Gruppe Edekas ins Antlitz (und anders kann man das zwischenzeitlich gar nicht nennen) zu sehen. Mit wenigen, dann wieder vielen Schnitten in die weiche Linde haucht Fiand ihren Damen Authentizität ein, so, als sollten Sie pinocciogleich zum Leben erwachen und losstapfen, wären sie nicht diesem vermaledeitem Holzblock verwachsen. Die Protagonistinnen des dörflichen Einkaufseldorados schmollen, lächeln, verführen, platzen vor Wut, sind in sich gekehrt, kaufsüchtig, realistisch, sehr realistisch, lebensfroh hie und -müde dort, sie sind voller Energie und erschöpft am Ende der Gruppe. Nix, was es nicht gäbe. Fast stadtgleich. Und das alles durch die Macht Fiands unterschiedlich zu schöpfen, in diesem Fall mit dem Schnitzmesser Leben zu verteilen, ebenso unterschiedlich wie wir als Menschen sind.
Welche Entwicklung zu den ersten Knopfaugendamen mit winzigen Mündchen, (von denen ich auch noch zwei in meiner Sammlung halte, neben den vielen anderen: Auch Galeristen sind nur Menschen, die der Versuchung nicht wiederstehen können) zu den aktuellen Skulpturen zeigt die Könnerschaft, die Professionalität, mit der die Künstlerin ihre Beobachtungen im Werkstoff Holz festzuhalten vermag, nicht nur die Kurse, die Sie selber hält, sondern auch nimmt, um inzwischen so weit zu sein, Portraitaufträge anzunehen. Wohlwissend, dass der abgegebene Auftrag mit großer Zufriedenheit vom Portraitierten angenommen wird.
In all den hunderten von Edekas ist neben den herausstechenden, da abweichenden Figuren, wie dem Kind, das die Tüte behütet, ebenso wie der Bernersennenhund, die Dame im Rollstuhl oder die Ältere in der Schwälmer Tracht, ganz im Stilbruch mit der Adidastüte , sind es gerade die "normalen" Frauen, die in ihrer Schlichtheit, die aber dennoch so individuell ist, unser Herz zu öffnen vermögen . Die auch Platz für Assoziationen schaffen: "Schau mal, die sieht aus, wie Tante Erna" oder "Die guckt wie Oma", lachen, aufblicken und Freude. Darf Kunst auch beizeiten.
Bei Fiands Edekas gibts immer was zu entdecken, zu staunen. Ein Schema, das nie schematisch ist , dass Fiand so liebevoll abarbeitet, dass es nie Schwere transportiert, sondern die Leichtigkeit und Freude, die die Künstlerin vom Blick auf den Markt bis zu den letzten Schnitzbewegungen und der "Schlußfirnis" beim schminken der kleinen Kostbarkeit hinüberrettet. So ist das Projekt, das früher 100 Edekafrauen und jetzt nur noch Edekafrauen heisst , zu einem großen Erfolg geworden: Alle bisher gezeigten liebenswerten Skulpturen haben ein neues zu Hause, fernab vom Edeka und Atelier gefunden. Diese, die sie hier sehen, sind nur kurz zu haben, dann sind sie verschwunden. Verstehen kann man's Michael Marius Marks 2008
Das Dorf im Knüll, indem die Künstlerin Kristina Fiand mit ihrem Eheman Ernst Gross lebt, hatte noch bis vor Kurzem einen blaugelben Edeka.
Er war Austauschort dörflicher Kommunikation, Ziel der Kinder für ein sommerliches Eis, aber auch „erste Hilfe“- Anlaufplatz, wenn das Backpulver für den Kuchen aus ist.
Die örtliche Zeitung zudem, denn man erfährt, wer nächtens gestorben ist, entbunden hat. Auch von den Eheproblemen der Familie Meyer, weiß man zu berichten.
Die Frauen in ihren unterschiedlichen Outfits, Frisuren und Gesichtsausdrücken haben die Künstlerin zutiefst gereizt genauer hinzusehen. Kein Voyeurismus , vielmehr die Lust am Unterschied und der Gemeinsamkeit ließ das Projekt mit zunächst 100 Edekafrauen entstehen.
Geschnitzt mit klassischen Bildhauerwerkzeugen bearbeitet sie das Lindenholz, schließt natürliche „Hindernisse“, wie Äste und Risse mit ein und gibt jeder einzelnen Figur ein unverwechselbares Colorit.
Jedes der mittlerweile über 400 Unikate an der Zahl, hat eigenen Charakter!!!! So ist das Projekt zu einem großen Erfolg geworden.
Vorsicht: Ähnlichkeiten mit realen Personen sind beabsichtigt!
Konsequent entwickelt Kristina Fiand ihre Idee Portrait - wie schon durch die Skulpturen der Edeka Frauen bekannt - weiter. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Mann, dem Bildhauer Ernst Gross, entstanden nun die Männer, die es geschafft haben: Fein Raus heißen sie. Sie tragen zum Teil, wie als Beweis die feinen Anzüge, stellvertretend für ein Business mithilfe dessen sie so erfolgreich wurden, dass sie sich ein Haus, ein Boot, ein……auf Mallorca leisten konnten. Zum Teil sind sie auch schon lässiger gekleidet und halten Attribute ihres Schaffens, ihres Strebens in den Armen.
Projekt Menschenskinder"
Der Film "Darwins Alptraum" von Hubert Sauper, war ideenprägend für dieses Projekt. Das Schicksal der Fischerskinder in Tansania, die von ihren Familien verlassen werden, sich alleine durchschlagen müssen und ihre harte Realität im Drogenrausch vergessen, hinterlässt einem als Europäer einen bitteren Nachgeschmack und ein schlechtes Gewissen, das sich nicht ganz so schnell verdrängen lässt, wie die Anfragen von Hilfsinitiativen, die regelmäßig in meinem Briefkasten landen.
Kinder als schwächstes Glied einer Gesellschaft leiden unmittelbar an den Folgen des Klimawandels, Umweltproblemen, politischen und religiösen Missständen, ohne S1e selbst verursacht zu haben.
_ Als Quelle für die ersten Bildvorlagen dienten das Internet und Bücher.
~ Inzwischen ergeben sich auch konkrete Verknüpfungen zu realen Projekten, die wir gerne unterstützen möchten 200 - Euro ~ jeder verkauften Tafel fließen als Erlös als Spende auf das Konto einer Hilfsorganisation, die auf der Rückseite der Arbeit vermerkt ist.
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